Kalkulatorisches Wagnis Beispiel Essay

Kalkulatorische Wagnisse Definition

Die Berücksichtigung kalkulatorischer Wagnisse soll eventuelle spezifische Risiken in Form kalkulatorischer Einzelwagnisse wie z.B. Schwund (der Vorratsbestände) und Forderungsausfall abbilden und in die Produktkalkulation einfließen lassen.

Der Ansatz kann z.B. mit dem durchschnittlichen Wert der letzten 5 Jahre erfolgen.

Würde man sich gegen die Wagnisse versichern (z.B. Kreditversicherung gegen Forderungsausfall), könnten die entsprechenden Kosten (Versicherungsprämien) direkt einbezogen werden.

Das allgemeine Unternehmerwagnis (Entstehung von Verlusten, Insolvenzgefahr) hingegen wird nicht in die kalkulatorischen Wagnisse einbezogen.

Alternative Begriffe: Kalkulatorische Wagniskosten.

  • Anlagewagnis

    Das Anlagewagnis berücksichtigt kalkulatorische Kosten, die für die durchschnittlichen Ausfallzeiten der Produktionsmaschinen anfallen;

  • Beständewagnis

    Das Beständewagnis beinhaltet sowohl Verluste, Diebstähle und allgemeinen Schwund als auch Überalterung oder Haltbarkeitsablauf bei den Vorratsbeständen; Beispiel: ein Fischhändler bezieht in seine Preiskalkulation ein, dass 20 % seiner Ware verdirbt und entsorgt werden muss, da er seiner Erfahrung nach nicht alles verkaufen kann, solange der Fisch frisch ist;

  • Gewährleistungswagnis

    Das Gewährleistungswagnis bezieht sich auf die Gewährleistungskosten, die im Garantiefall zu leisten sind, z.B.: Nachbesserungsarbeiten, Reparaturleistungen, Ersatzlieferungen, Kaufpreiserstattungen; Gewährleistungskosten werden zwar auch in der Buchhaltung mittels Garantierückstellungen berücksichtigt, allerdings beziehen sich die Werte auf bereits getätigte Umsätze während für die Kalkulation zukünftig erwartete Gewährleistungskosten auf aktuelle Umsätze relevant sind;

  • Vertriebswagnis

    Das Vertriebswagnis umfasst v.a. das Risiko von Forderungsausfällen (ein Teil der Umsätze wird nicht bezahlt) sowie ggf. Währungsverluste, wenn in Fremdwährung fakturiert wird.

  • Beispiel: Forderungsausfallrisiko als kalkulatorisches Wagnis

    Die Erfahrungswerte der letzten Jahre zeigen für ein Unternehmen, dass durchschnittlich 2 % der Nettoforderungsbeträge aufgrund von Zahlungsschwierigkeiten der Kunden nicht bezahlt wurden und letztlich abgeschrieben werden mussten.

    Das Unternehmen setzt deshalb für die Produktkalkulation 2 % durchschnittlichen Forderungsausfall als kalkulatorische Wagniskosten an.

    Würde sich das Unternehmen z.B. durch eine Kreditversicherung gegen Forderungsausfälle versichern, gingen diese Kosten "automatisch" in die Kostenrechnung ein, da eine Rechnung der Versicherung vorliegt. In diesem Fall wären dann keine kalkulatorischen Wagniskosten für das Forderungsausfallrisiko anzusetzen.

    Unternehmerische Tätigkeiten sind oftmals mit unvorhersehbaren Risiken verbunden, die einen Werteverzehr nach sich ziehen können. Das allgemeine Unternehmerrisiko (z.B. Gesamtwirtschaftslage, Inflation) ist nicht kalkulierbar. Einzelwagnisse hingegen, d.h. Risiken, die direkt mit der betrieblichen Leistungserstellung und deren Vertrieb in Zusammenhang stehen, können als betrieblicher Werteverzehr in der Kosten- und Leistungsrechnung als kalkulatorische Wagnisse verrechnet werden. So sollen nicht durch Versicherungen abgedeckte, eventuelle Schadensfälle ihre Berücksichtigung finden. Dies sind in erster Linie Risiken, die zeitlich und der Höhe nach nicht vorhersehbar sind, also unerwartet und zufällig auftreten. Versicherungstechnisch abgesicherte Risiken werden nicht als kalkulatorische Wagnisse erfasst, da die Beiträge in der ordnungsgemäßen Buchführung bereits als Aufwand verbucht werden.

    Kalkulatorische Wagnisse kann man folgendermaßen unterscheiden:

    • Beständewagnis: z.B. Lagerverluste durch Schwund, Abnutzung, Güterminderung
    • Anlagewagnis: z.B. Betriebs- oder Verkehrsunglücke
    • Fertigungswagnis : z.B. Konstruktionsfehler, Gewährleitungskosten, Fertigungsschäden
    • Entwicklungswagnis: z.B. fehlgeschlagene Forschungs- und Entwicklungsarbeiten
    • Vertriebswagnis: z.B. Währungsverluste, Forderungsausfälle
    • sonstige Wagnisse: z.B. Risiken der Branche


    Zur Berechnung der Höhe wird ein Wagnissatz ermittelt. Dieser Durchschnittssatz ergibt sich aus den in der Vergangenheit eingetretenen, tatsächlichen Schadensfällen des Unternehmens und den dabei angefallenen Kosten. Man vermutet also auch für die Zukunft ähnliche Risiken. Das eher unregelmäßige Eintreten solcher Fälle, macht das realistische Abschätzen sehr schwierig, was eine klare Kalkulation verhindert. Dennoch können Erfahrungswerte eine gleichmäßige und anteilige Belastung in der Rechnungsperiode ermöglichen und damit die Selbstkosten- und die Ergebnisrechnung von zufälligen Schwankungen befreien.



    Hier finden Se Übungen zur Kosten-Leistungs-Rechnung und kalkulatorischen Wagnissen >>

     


    Quellen:
    Haberstock/Breithecker: Kostenrechnung I, 12. Aufl., Berlin 2005.
    Jung, Hans: Allgemeine Betriebswirtschaftslehre, München 2006.


    letzte Änderung Redaktion CP am 03.08.2017
    Erstellt: 27.12.2008 21:13:12
    Geändert: 03.08.2017 15:24:24

    Zurück zur Übersicht

    Kommentar zum Fachbeitrag abgeben

    Anzeige

    Bilanzbuchhalter/in
    Sie wollen auf Ihrem Karriereweg noch einen Schritt weitergehen?
    Dann jetzt ... 


    0 thoughts on “Kalkulatorisches Wagnis Beispiel Essay”

      -->

    Leave a Comment

    Your email address will not be published. Required fields are marked *